
SCHHH!
Dezember 21, 2024
WENN SIE UNSERE WERTVOLLE MITARBEITERIN ABLEHNEN
Januar 5, 2025Neulich in meinem Lieblingsladen, wo ich das kompetente Personal wirklich schätze, wartete ich darauf, bedient zu werden.
Vor mir stand eine andere Kundin. Ich hielt respektvoll Abstand, nicht wegen Corona, sondern aus Diskretion. Die Frau vor mir war sehr redselig – auf eine sympathische, aber unüberhörbare Art. Nachdem sie ihre Dienstleistung bezahlt hatte, blickte sie strahlend zu der Kassiererin, nennen wir sie Lisa, und fragte mit einer Mischung aus Begeisterung und Wohlwollen: „Und, wann kommt das Baby?“
Ich erstarrte innerlich. Ich komme oft in diesen Laden und war mir ziemlich sicher, dass Lisa nicht schwanger ist. Ich hielt den Atem an. Wie würde sie reagieren?
Zu meiner Überraschung – nein, Bewunderung – antwortete Lisa ohne mit der Wimper zu zucken, mit einem Lächeln:
„Nein, ich bin nicht schwanger. Ich bin nur dick. Aber danke.“
Die Luft stand still. Die Kundin, war für einen Moment stumm. Dann begann sie, sich mehrfach zu entschuldigen, ein wenig hektisch, fast schon verzweifelt. Ich konnte sehen, wie unangenehm ihr die Situation war und wie sie wahrscheinlich noch lange darüber nachdenken würde.
Als die Kundin schließlich den Laden verließ, trat ich vor, schaute Lisa an und sagte:
„Ihre Reaktion vorhin war wirklich beeindruckend.“
Wir alle wissen, dass Bemerkungen über den Körper anderer hierzulande ein großes No-Go sind. Und doch passiert es immer wieder. Mir selbst ist das auch beinahe passiert. Einmal wollte ich eine Kollegin fragen, ob sie schwanger sei – nur um dann herauszufinden, dass sie einfach ein bisschen zugenommen hatte.
Ich habe auch schon in Fettnäpfchen getreten, und glaub mir, in solchen Momenten fühlt sich niemand gut – weder diejenige, die es sagt, noch die Person, die es hört. Aber Lisas Haltung war etwas Besonderes: Mit ihrer Klarheit und ihrem Humor nahm sie der Situation die Schwere und schuf sofort Klarheit für alle Beteiligten.
Was mich so beeindruckt hat, ist, wie Lisa zu sich selbst steht. Sie hat die unangenehme Situation nicht nur gemeistert, sondern auch eine Botschaft gesendet: „Ich bin, wer ich bin, und das ist völlig in Ordnung.“
Das ist genau der Geist, den ich mir für unsere gelebte Diversität wünsche: Sich selbst zu akzeptieren, zu dem zu stehen, was uns einzigartig macht, und gleichzeitig anderen Raum für Irrtümer zu geben – ohne Groll, aber mit Klarheit.
Denn für eine wirklich diverse Gesellschaft braucht es beides: Achtsamkeit gegenüber anderen und die Bereitschaft, zu verzeihen. Und wenn wir über solche Erlebnisse sprechen, lernen wir, mit Missverständnissen besser umzugehen – vielleicht sogar, sie mit einem Lächeln zu entwaffnen.
Ein Applaus an die Lisas dieser Welt, die mit Selbstbewusstsein, Offenheit und einem Lächeln aufklären und verzeihen.
Und du?
📍Bist du auch schon ins Fettnäpfchen getreten?
📍Und wenn du Lisa gewesen wärst – wie hättest du reagiert?
