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Dezember 15, 2024
NEIN, ICH BIN NICHT SCHWANGER, ICH BIN NUR DICK
Dezember 22, 2024Hörte ich plötzlich, während ich mit meiner Schwester Karoko telefonierte. Wie wunderbar, dass es heute so einfach ist, ein Ferngespräch zu führen. Früher kostete es ein Vermögen, ohne Garantie…
Das Gespräch mit Karoko war, wie so oft, ein Ausflug in unsere gemeinsame Vergangenheit – eine heilende Erfahrung. An diesem Tag erinnerten wir uns an jene uneingeladene Gäste, die unser hart erarbeitetes Essen beanspruchten. Oft gingen wir leer aus.
Heute können wir darüber lachen, auch wenn es damals kaum lustig war. Während ich auf unserem Hausberg spazieren ging, erzählten wir uns diese Geschichten. Es ist für mich zeitsparend. Die Menschen, die mir begegneten, grüßte ich freundlich, wie immer.
Ich sah ein Paar vor mir laufen, das ich bald überholen und auch freundlich begrüßen würde. Doch dann hörte ich erneut dieses „SCHHH!“. Es kam von der Frau vor mir, die sich dabei umdrehte und ihren Zeigefinger an die Lippen legte.
Verwundert drehte ich mich um. Meinte sie wirklich mich? Wie konnte sie verlangen, dass ich auf meinem Hausberg, in meiner Heimat, wo ich lebe und Steuern zahle, schweige – noch dazu in der Nähe einer Autobahn, die deutlich lauter war? Die Aggression in mir kochte hoch. Verzeih mir.
Doch ich erkannte: Es ist wohl leicht, eine Frau zu ermahnen, die in einer fremden Sprache telefoniert und laut lacht.
Als sie das dritte „SCHHH!“ von sich gab, hielt ich inne, nahm meinen Kopfhörer ab und fragte: „Warum soll ich bitte leise sein?“ Eine naive Frage, ich weiß. Aber in solchen Momenten fällt mir oft nichts Klügeres ein. Die Frau schien überrascht – vielleicht, weil ich das Gespräch suchte, oder weil sie nicht erwartet hatte, dass ich sie verstehen würde, hätte sie in Worten gesprochen.
Mir fiel auf: Ich genieße es, lebendige Menschen zu sehen. Wenn Kinder oder Jugendliche unterwegs lachen und Spaß haben, lächle ich oft mit. Warum stört es uns so sehr, wenn andere laut hashtag#Freude zeigen?
Vielleicht war ich an diesem Tag rücksichtslos, aber wenn wir wirklich ein Miteinander wollen, dann erreichen wir das nicht, indem wir Menschen so zum Schweigen bringen. Diese Frau war übrigens schwanger. Ich hätte ihr am liebsten gesagt: „Ich hoffe, dein Kind darf bald laut sein.“ – Die Aggression in mir, erneut. Verzeihe.
Im Sinne des Miteinanders frage ich dich: Wie können wir eine Gesellschaft des Dialogs aufbauen, wenn unser erster Impuls nur „SCHHH!“ ist?
Ja, wir dürfen laut sein – lauter als jene, die Hass säen. Gleichzeitig Rücksicht nehmen. Im Zug telefoniere ich bspw. nie. Aber wenn ich nur an jemandem vorbeilaufe – warum stört uns das so?
Dialog ist immer besser als Schweigen. Wenn wir Menschen einfach zum Schweigen bringen, verlieren sie irgendwann die Kraft, zu sprechen – auch dann, wenn ihre Stimme dringend gebraucht wird.
Deshalb frage ich dich:
📍Würde es dich stören, wenn ich beim Vorbeilaufen telefoniere?
📍Wie würdest du mich darauf ansprechen?
