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„SUSAN, DIESE DINGE PASSIEREN IMMER NOCH“

Sagte mir ein Student, nach dem er sich zum 2. Mal meine Rede „Diversity & die Magie in dir“ anhörte. „Du musst unbedingt weiter machen, du machst uns Mut“.

Er sagte weiterhin „Kannst du dir vorstellen, was für ein Gefühl es ist, wenn Mit-Studierende dich für eine Zusammenarbeit in einer Gruppe ablehnen, weil du aufgrund deiner Herkunft deren Note schlechter machen würdest?“

Ein anderer Zuhörer erzählte mir nach meiner Rede: „Du weißt, ich arbeite im Pflegeheim. Es gibt Menschen, die sagen dir ins Gesicht „Der Schwarze darf mich nicht anfassen“. Liebe Leser, wir schreiben das Jahr 2021!

Klar, wir stecken nicht drin, was auch immer passiert ist. Ich bin dennoch erschüttert. Wovor haben Menschen Angst? Warum sind sie teilweise so verbittert? Wenn wir diese Wahrheit finden – wir müssen sie nicht mal mit anderen teilen – können wir unser Denkmuster wahrhaftig hinterfragen und ändern.

Als ich die Dokumentation „Schwarze Adler“ anschaute, kamen mir die Tränen. In dieser Doku erzählen afrodeutsche Fußballprofis wie Gerald Asamoah und Shary Reeves über ihre Erfahrungen. Bewegend, berührend, augenöffnend. Wenn das, was mir passierte, schlimm war, wie schlimm muss es sein in einem Stadium beleidigt zu werden? Dabei haben diese Menschen bereits andere Herausforderungen. Daheim mit ihren Familien, Leistung unter Druck erbringen und Behördengänge.

So die ehemalige Bundesliga-Spielerin Shary Reeves

„(…) das war schlimm (…). Ich habe mir überlegt, wie mache ich das jetzt. Wie werde ich weiß, damit ich diese Schmerzen nicht mehr ertragen muss und da glaubt man diese Geschichten. Es gibt Seifen. Du kannst dich damit waschen und dann wirst du weiß“.

Wer mich kennt weiß, dass ich stark auf Selbstverantwortung setze. Doch Selbstverantwortung benötigt auch Raum. Magie benötigt Raum.

Schaffen wir diesen Raum der Begegnung, damit wir neugierig aufeinander zugehen und dadurch unsere Perspektive ändern?

Heute habe ich für dich und dein Team 3 Werkzeuge, die aus meiner Erfahrung immer funktionieren. Dabei ist es egal, um welchen Aspekt der Diversität / Einbeziehung es sich handelt. Vergiss nicht, auch in unseren Geburtsländern gibt es solche Herausforderungen. Der Umgang mit Diversity fängt daheim an.

  1. Selbstverantwortung und Selbstreflektion

Ob du betroffen bist oder ob du jemandem zuhören oder eine Chance geben kannst: Warte nicht, bis die Politik, die „mächtige Organisationen“ oder „die da oben“ sich bewegen.

Finde deinen Weg. Lass dir das nicht gefallen. Es gibt mehrere Möglichkeiten. Vielleicht bist du schlagfertig wie Anthony Baffoe, der, als jemand ihn beleidigte, antwortete „Hör mal zu, (…) du kannst bei mir auf der Plantage arbeiten“.

So Shary Reeves „Tony hat für uns gekämpft. Das war ein Pionier in dem Thema ‘Ich lasse mir das nicht gefallen. Ich wehre mich dagegen. Ich sage auch was dazu‘ (…)“.

…oder wie Gerald Asamoah ein Zeichen setzte. 

Shary Reeves über Gerald Asamoah „Gerald hat man nicht gebremst bekommen (…). Der wurde richtig heruntergerissen regelrecht, weil es schwierig war den zu blocken (…) der hat so diese Leichtigkeit da reingebracht. Diese Freude (…). Der hat etwas verbreitet was den Leuten auf den Tribünen die Angst genommen hat, wo eigene Menschen gedacht haben „das ist ja doch ein cooler Typ“.“

Es ist wichtig, dass du deine Wurzel nicht vergisst, das Beste aus deinem Lebensweg vereinst und an deinem Selbstwertgefühl arbeitest. Das kann keiner für dich machen, wie beim Muskeltraining.

Jemand, der etwas daher ruft, sage ich immer, hat nicht genug überlegt. Und genauso wenig darf dich das mitnehmen. Suche Verbündete, tausche dich aus und verwandle deine Wut in Lösungen.

Spätestens dann, wenn du feststellst, es gibt noch krassere Storys als deine, wirst du deinen Weg finden damit umzugehen. Wichtig ist, dass du deine Story mit anderen teilst und anderen Mut machst (siehe auch Punkt 3).

Auch wenn es so viele schlimme Erlebnisse gibt, dürfen wir niemals vergessen: die meisten beispielsweise hier in Deutschland sind sehr neugierig und sehr hilfsbereit. Ich meine nicht die Hilfe die klein macht, sondern wahrhaftig bereit sind uns zu empfangen. Allein deshalb sollen wir uns nicht klein machen lassen. 

Eine wahrhaftige Selbstreflexion hilft hier.

2. Wir brauchen Menschen, die zu anderen stehen

Wir brauchen mehr Menschen, die zu ihren Werten stehen und keine Angst haben was Kollegen oder was Kunden denken würden, wenn beispielsweise plötzlich eine schwarze Person die Kunden betreut.

Ich erzählte bereits von meinem Interviewpartner, der mir sagte „Frau Omondi, ich würde Sie nehmen, aber meine Kunden werden Sie nicht akzeptieren…“

Wie oft habe ich das schon gehört „Was werden meine Kollegen sagen?“.

Hier ist der Punkt: Nicht alles was Kollegen sagen ist relevant. Stehe zu deinen Werten, deine Kollegen werden dir dankbar sein, weil du mutig warst. Wer soll denn den ersten Schritt machen, wenn nicht du in deinem Einflussbereich?

Wie viele Partnerinnen und Partner haben es gewagt trotz anfänglichen Ablehnungen in den Familiengeschichten?

Für Jimmy Hartwig war Fußball die Rettung, weil er Leute hatten die ihm vertrauten.

Ein bewegender Moment, als Jimmy Hartwig erzählt:

Frage an den Trainer „(…) wieso spielt der schwarze Hartwig in der Mannschaft da drin? Können Sie mir das sagen?“.

Trainer:  „Natürlich, weil er gut ist, weil er besser ist als Ihr Sohn (…)“

Jimmy „Und das hörst du.  (…) boah, da ist ja einer, der steht ja zu dir und verteidigt dich. Das habe ich nie erlebt.“

Und genau darum geht es. Es sind solche Momente der Standhaftigkeit, die uns weiterbringen und Hoffnung geben.

Stehen wir zu unseren Entscheidungen, machen wir einen wunderbaren Weg frei für andere, damit sie uns folgen können.

3. Bühne schaffen, Raum geben.

Mein Appell an Unternehmen: schafft Räume der wahrhaftigen Begegnungen, damit wir nicht aus Angst andere ablehnen.

Ich meine damit abseits der fachlichen Ausführung der Arbeit. Z.B. Events organisieren, Interesse zeigen an den, was die Menschen beweget. Zu verallgemeinern und anzunehmen, dass die einzige Sorge, die die Menschen in der Minderheit haben, ihre Minderheitsmerkmale ist, ist sehr gefährlich.

Natürlich liegt es auch an uns Fragen und Neugier zuzulassen.

Es braucht beide Seiten damit diese Begegnung gewinnbringend ist.

Eine Bühne schafft auch das Wechseln der Perspektive.

Früher dachte ich selbst, nur weil jemand aus Kenia kommt habe ich mehr Gemeinsamkeit mit dieser Person als mit einer aus einem anderen Land, der ich hier begegnete. Bereits nach einem Jahr zeigte sich, dass das überhaupt nicht der Fall ist. Wenn wir uns selbst von anderen distanzieren, wird es auch schwierig gemeinsam weiterzukommen.

Schafft Räume für solche Geschichte, egal wie traurig sie sind, wie Torsten Körner es mit der Dokumentation „Schwarze Adler“ schaffte.

Warum tun sich Menschen schwer auch darüber zu reden, frage ich mich immer? Aus Angst, auch dass sie etwas falsch sagen, vor allem jetzt, wo fast jedes Wort auf Goldwaage gelegt wird?

Was zählt ist unsere Einstellung, dann können einander verzeihen und voneinander lernen.

Die Angst ist plötzlich unbegründet. Wir können andere akzeptieren, ohne Angst zu haben etwas dabei zu verlieren.

Fazit

Nein, diese Dinge passieren nicht nur da draußen, in Stadien oder in Pflegeheimen. Sie fangen am Ess- und Schreibtisch an.

Alle diese 3 Werkzeuge benötigen eine emotionale und mentale Reife. Gesetze allein reichen nicht. Wenn du deine Werte kennst und dazu wahrhaftig stehst, wirst du weniger wackelig. Mit der Zeit klappt es immer besser.

Lass uns die Geschichte nicht vergessen, aber verzeihen und verstehen. Nur wenn wir loslassen, können wir das neue und bessere empfangen. Lass uns aus solchen Geschichten lernen.

Bühne schaffen, genau das machen wir mit der Plattform #OmondiLIVE. Gemeinsam mit Global Riders bauen wir Brücken. Unser Leitsatz: „Wenn wir uns aufeinander einlassen, passiert Magie“.

Schaffst du auch Räume der Begegnung?

Möchtest du mit uns heute deine Story teilen?

Susan Omondi

01.08.2021

#mut #diversity #stories #inspire #perspektive

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